Von Ritzen und Rissen

Dreiteilung von
This will make you love again

Scheinbar willkürlich greifen Finger in das Bild, bedrohlich nähern sich Hände von deckendem Weiß, überlagern, legen den Fokus. In einer letzten kraftvollen Geste, bereits von Verletzbarkeit gezeichnet tritt ihnen der Protagonist aus dem Hintergrund entgegen.

In ihrem dreiteiligen Werk This will make you love again dokumentiert Suschnig den Fortgang einer psychischen Erkrankung, das Wegbrechen eigenmächtiger Strukturen hin zu einem alles überlappenden Chaos, an dessen Ende nur noch eine als Entspannung getarnte Resignation bleibt.

Der Mensch erscheint in fast sozialistisch-realistischer Manier, athletisch, stark, in sich ruhend, offenbart seine dem Betrachter abgewandte Haltung doch bereits erste Anzeichen einer Auflösung. Artefakte der Zeit, Zeugen und Verursacher seelischer Not wie geleerte Medikamentenpackungen und Krankenhausequipment scheinen ihn zunehmend einzugrenzen, zuzusetzen. Strichlisten legen Zeugnis ab von einem persönlichen Verbrauch, eine Chronologie des Schmerzes, tief geritzt vermögen sie es doch nicht, die Oberfläche zu durchdringen. Der blank präsentierte Unterarm, muskulöser Sitz der Lebensader, wird zur Angriffsfläche. Suschnig erarbeitet über solche Gegensätze ein Spannungsfeld der Bedeutungen, oszillierend zwischen Verheißung und Verzweiflung, Befreiung und Abhängigkeit.

Durch eine tiefe Furche zerteilt sich der Gipskarton, wird zum äußeren Träger innerer Zerissenheiten. Der Mensch hat seine Ganzheit, seinen Einklang verloren, ein tiefer Riss geht ihm durch die Schläfe, aus dem ein fremdbestimmendes Chaos bricht. Letzte Linien, die den Mensch noch beschrieben, verblassen. Nichts bleibt zurück.

Erst im dritten Teil hebt sich der Schleier, gibt den Blick frei auf ein kopfloses Wesen, gedrängt in das rechte obere Bildeck. Sein Arm hängt schlaff hinab, ordentlich verdeckt von manschettenverschlossenen Hemdbündchen lehnt es an dem, was ihm im Hintergrund noch Halt zu geben vermag, beinahe zärtlich strecken sich weiße Fingerspitzen den seinen entgegen.

Claudia Breitmayer